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Mit Sicherheit zum Erfolg

Seit mehr als zehn Jahren bringt der Master-Studiengang "Betriebssicherheitsmanagement" heiß begehrte Absolventinnen und Absolventen hervor. Ihr oberstes Gebot ist: Safety first! Ob beim Gesundheitsschutz oder beim Thema Datensicherheit. Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften bleibt weiterhin riesig, sagen Sicherheitsexperte Prof. Dr. Dirk Sohn von der THGA und sein ehemaliger Student Jörg Blaschke im Gespräch.

Die THGA war die erste Hochschule bundesweit, die 2006 einen Master in Betriebssicherheitsmanagement (kurz BSM) angeboten hat – warum war das nötig?

Sohn: In vielen deutschen Firmen finden Sie für alles einen Beauftragten – einen für Gewässerschutz, einen für Immissionen, für Datenschutz und so weiter. Aber jeder wurschtelt für sich allein. Oft fehlt die steuernde Größe, die Zusammenhänge erkennt und Synergien hebt. Deshalb gibt es den Studiengang BSM: Er bündelt alle Aspekte rund ums Thema Sicherheit und hebt sie auf eine wissenschaftlich-methodische Ebene. Und das Ganze aufbauend auf einem fundierten juristischen Background.

Wo fängt Betriebssicherheitsmanagement an – wo hört es auf?

Blaschke: Im Grunde dreht sich alles um Sicherheit und Gesundheit. Und die fängt schon bei der Einstellung an: Welche Vorsorge braucht ein Beschäftigter bei seiner Tätigkeit? Hat er mit Stäuben zu tun? Mit Gefahrstoffen? Braucht er bestimmte körperliche Voraussetzungen? Dazu ist Gesundheit noch mehr als das Nichtvorhandensein von Krankheit. Es geht um das Sich-Wohlfühlen, das Sich-Entfalten-Können – dazu gehören auch gesunde Ernährung in der Kantine oder die Entscheidungsspielräume des Einzelnen.

Könnte in unserer digitalisierten Welt nicht einfach ein Computer die Sicherheit in einem Betrieb steuern?

Sohn: Natürlich helfen moderne Monitoringsysteme. Aber muss es ja jemanden geben, der die Anforderungen zuvor definiert und die Daten interpretieren kann. Man sieht es z. B. an der Debatte um Feinstaubwerte: Diese Werte unterliegen auch einer ständigen Veränderung. Man kann sagen, dass die Welt etwa alle drei Jahre neu erfunden wird. Diese Veränderungen muss jemand auf die Gegebenheiten in einem Betrieb beziehen – damit Qualität und Effizienz weiter stimmen, Kundenbedürfnisse erfüllt werden und die Mitarbeiter gesund bleiben. Deshalb brauchen wir Expertinnen und Experten, die die Rechtsgrundlage kennen und mit Methodenkompetenz und Kommunikationsfähigkeit solche Dinge beurteilen können.

Blaschke: Gerade die Digitalisierung macht es eher anspruchsvoller. Denn es gibt autarke Systeme, die dennoch mit Menschen interagieren müssen. Außerdem werden Systeme umso anfälliger je mehr ich automatisiere – etwa für Hackerangriffe, aber auch für Störungen nach einem Stromausfall. Auch die IT-Sicherheit spielt im Master BSM daher eine wichtige Rolle.

Der Studiengang BSM ist der einzige kostenpflichtige an der THGA. Die zwei Semester kosten 10.000 Euro. Warum ist das so? Und warum ist das sogar gut so?

Blaschke: Wer ein Team von Sicherheitsingenieuren führt, muss in allen Fachdisziplinen erweiterte Grundkenntnisse haben. Schon allein, weil er meistens auch die Stellvertretung übernimmt. Im Studiengang BSM erwirbt man mit einem Mal alle wichtigen Qualifikationen – zum Datenschutz, Brandschutz, Qualitätsmanagement, Gewässerschutz, Arbeitssicherheit, Abfall etc. Dadurch ist das Studium seine 10.000 Euro locker wert. Würde man die Fortbildungen einzeln machen, wäre das deutlich teurer und dauerte länger.

Sohn: Man merkt natürlich, dass die Studierenden besonders motiviert und fokussiert sind. Sie haben diese Entscheidung bewusster getroffen als manch anderer Student. Das ist für die Lerngruppe mit maximal 20 Personen sehr positiv und trägt zu einem guten Arbeitsklima bei – zumal die Kurse jeweils Freitagnachmittag und Samstagmorgen stattfinden.

So ein Teilzeit-Studium erfordert also Disziplin – was hat Sie besonders angetrieben, Herr Blaschke?

Blaschke: Ich habe meine Uhr langsam ablaufen sehen: in 40 Jahren sitzt du immer noch am gleichen Schreibtisch, dachte ich. Und das wollte ich nicht! Also habe ich bewusst entschieden, dass mir der Bachelor nicht reicht. Ich hatte einfach den Ehrgeiz, weiterzukommen und hab das dann bis zum Abschluss durchgezogen.

Sohn: Die Studierenden stehen in sehr intensivem Kontakt miteinander und motivieren sich gegenseitig – auch über das Studium hinaus. Es entstehen da Beziehungen, die über eine sehr lange Zeit halten und die sich gegenseitig befruchten.

Blaschke: Genau, wir treffen uns seit 10 Jahren regelmäßig. Dieses Jahr in Dresden, letztes Jahr in Bochum. Gerade die Diskussion mit den Kommilitonen waren besonders wertvoll: Wir hatten Arbeitsmediziner, Leute von den Berufsgenossenschaften, Selbstständige und eine Biochemikerin im Kurs. Dadurch, dass alle etwas älter sind, schon ein Studium hinter sich haben und mitten im Beruf stehen, kommen viele neue Impulse zusammen. So waren wir zusammen eigentlich immer schlauer, als der, der vorne stand.

(beide lachen)

Sohn: Das schätze ich als Professor sehr an meinem Beruf – dass ich in jedem Kurs wieder etwas dazulerne. Zumindest in Detailfragen.

Was hat der Abschluss als Betriebssicherheitsmanager letztendlich gebracht?

Blaschke: Bei fast allen Kommilitonen, wie auch bei mir, hat sich die Karriere enorm entwickelt. Sowohl durch den Masterabschluss selbst als auch durch die thematisch Breite und Praxisnähe des Studiums. Der Job erfordert eben einen Allrounder, der in allen Belangen zumindest soweit Bescheid weiß, dass er beurteilen kann: sicher oder unsicher!

Wenn Sie jetzt Bilanz ziehen: Was hat sich in zehn Jahren beim Thema Sicherheit getan?

Sohn: Gesundheit ist viel stärker in den Fokus gerückt, etwa die Sicht auf psychische Belastungen. In der Umweltfrage wurden die Grenzwerte deutlich gesenkt. Insgesamt hat sich das Bewusstsein in der Bevölkerung verändert. Es wird nicht länger akzeptiert, dass Arbeitnehmer bestimmten Gefährdungen ausgesetzt sind. Und die Datensicherheit ist längt nicht mehr ein Randthema, sondern ins Zentrum unserer Gesellschaft gewandert.

Und wenn man den Blick in die Zukunft wagt – was wird in den nächsten zehn Jahren passieren?

Sohn: Man muss sagen: Die Leute sind nun mal so, wie sie geprägt worden sind. So zählen in Deutschland noch immer Output und Akkord. ‚Wo gehobelt wird, fallen Späne‘ – eine typisch deutsche Aussage, die man in anderen Kulturen nicht so findet. Und die wirtschaften nicht schlechter als wir, sind aber oft zufriedener und glücklicher bei der Arbeit.

Blaschke: Im Vermeiden von Unfällen sind wir schon gut. Aber beim Thema Gesundheitsschutz gibt es noch viel Potential. Das zeigt sich auch an den mittleren Krankenständen in der Industrie. Verglichen mit Norwegen oder Schweden.

Sohn: Ja, richtig. Dass Arbeit krank macht, ist noch immer weit verbreitet. Nur leiden die Leute nicht wie früher unter einer Staublunge, sondern eher unter psychischen Belastungen – Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, schon morgens keine Lust zur Arbeit zu gehen. Gründe dafür können sein: viele Überstunden, schlechtes Personalmanagement, fehlende interne Kommunikation, schlechte Ergonomie am Arbeitsplatz und und und….Deswegen ist „gesundes Führen“ ein wichtiger Punkt in dem Studiengang. 

Ist Sicherheit also auch ein entscheidender Kostenfaktor?

Sohn: Ein Erfolgsfaktor!  Das ist etwas, was mir ganz wichtig ist: dass die Studenten verstehen, dass das ganze Thema Betriebssicherheit kein Kostenfaktor ist, sondern es um positive Effekte geht.

Blaschke: Man kann heute kein Unternehmen mehr profitabel und nachhaltig führen, wenn man die Sicherheit nicht im Griff hat. Es gibt nichts Schlimmeres als Schadensereignisse, welcher Art auch immer. Gerade heute, durch die enge Vernetzung der Firmen, kann so etwas zu großen finanziellen Schäden führen – etwa wenn Baustellen oder Betriebe stillgelegt werden müssen oder beim Autobauer das Band stoppt. Dann wird man bei der nächsten Ausschreibung schnell aussortiert.

Bleibt die Nachfrage nach Betriebssicherheitsmanagern also groß?

Sohn: Mehr als groß. Der Bedarf ist und bleibt riesig! Das hat verschieden Ursachen: Die Arbeitswelt wird immer internationaler und automatisierter. Außerdem steigen die Anforderungen im Bereich Sicherheit – ob DSGVO, Betriebssicherheitsverordnung & Co. Es wird einfach immer komplexer. In Deutschland haben wir hier einen deutlichen Nachholbedarf.

Blaschke: Ein normaler Arbeitgeber kann das überhaupt nicht mehr überblicken. Die Nachfrage nach Fachleuten wird deswegen sogar noch viel höher werden.

Nachholbedarf? Ist Deutschland denn nicht Vorreiter beim Thema Sicherheit?

Blaschke: Wir sind schon sehr gut. Aber in Deutschland verlässt man sich seit den 70ern häufig auf Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Inzwischen ist die Welt aber deutlich komplizierter als man in einem sechswöchigen Lehrgang lernen kann.

Sohn: Auch den Master BSM wollen wir in den kommenden Jahren daher noch internationaler ausrichten. Weil ich der Meinung bin, dass interkulturelle Kompetenzen entscheidend sind und unsere Absolventinnen und Absolventen diesen größeren Blick auf die Dinge künftig noch stärker brauchen. Das entspricht auch den Anforderungen der Wirtschaft.