Gemeinsam mit den Kolleg:innen des Deutschen Bergbau-Museums Bochum arbeiten THGA-Geowissenschaftler rund um Prof. Dr. Benedikt Ahrens dort seit mehreren Tagen an einer originalgetreuen 1:1-Abformung der sogenannten Mintrop-Falte.
Die geologische Struktur am Pastoratsberg soll so detailgetreu reproduziert werden, dass sie künftig für Forschung, Lehre und Wissensvermittlung zur Verfügung steht. Dafür wird direkt am Original gearbeitet: Zunächst wurde eine grün eingefärbte Silikonschicht auf den Fels aufgetragen, die selbst feinste Strukturen der Oberfläche aufnimmt. Anschließend wurde diese stabilisiert und die Oberfläche für die eigentliche Abformung vorbereitet.
Inzwischen ist auch die erste Schicht der Abdruckmasse aufgebracht. Schicht für Schicht entsteht so ein exaktes Negativ der Felsstruktur. Nach dem Aushärten wird die Form segmentiert und in die Werkstätten des Deutschen Bergbau-Museums Bochum transportiert. Dort entsteht anschließend in aufwendiger Handarbeit die originalgetreue Replik.
Das Projekt verbindet auf besondere Weise Geologie, Museumshandwerk und Denkmalpflege. Und es zeigt, wie viel Know-how, Präzision und körperliche Arbeit nötig sind, bevor aus einem Stück Fels ein Objekt für Forschung und Lehre werden kann.
Wann wird die Arbeit abgeschlossen sein?
Die fertige Replik soll voraussichtlich im Herbst 2027 an der Technischen Hochschule Georg Agricola (THGA) in Bochum installiert werden.
Wozu dient die Kopie?
Künftig wird sie vor allem in Lehre und Ausbildung angehender Geolog:innen bzw. Geotechniker:innen, Vermesser:innen und weiterer Ingenieur:innen eingesetzt. Studierende können an einem realitätsnahen geologischen Aufschluss Strukturen erkennen, vermessen und interpretieren und so Methoden erlernen, die sie später auch bei Geländeübungen benötigen.
Gleichzeitig dient die Replik der Wissenschaftsvermittlung: Die besondere Geologie des Ruhrgebiets wird unmittelbar sichtbar und kann auch Besucher:innen, Schüler:innen und weiteren Interessierten anschaulich vermittelt werden. So wird ein geologisch bedeutender Aufschluss aus Essen-Werden dauerhaft für Forschung, Lehre und Vermittlung zugänglich – ohne dass dafür immer wieder direkt am Original gearbeitet werden muss.
Welche geologische Geschichte steckt dahinter?
Die Mintrop-Falte erzählt von gewaltigen Kräften, die vor über 300 Millionen Jahren im Karbon wirkten. Damals bewegten sich die großen Kontinentalmassen Gondwana und Laurussia aufeinander zu. Durch ihre Kollision wurden Gesteinsschichten zusammengeschoben, verformt und aufgefaltet – im Zuge der sogenannten variszischen Gebirgsbildung.
Die Mintrop-Falte macht diese Erdgeschichte heute unmittelbar sichtbar: In ihren gebogenen Gesteinsschichten lässt sich ablesen, welche enormen Kräfte bei der Entstehung des heutigen Untergrunds des Ruhrgebiets wirkten. Die Replik holt damit gewissermaßen 300 Millionen Jahre Erdgeschichte an die THGA – zum Anschauen, Anfassen und Erforschen.
Wieso heißt es Mintrop-Falte?
Namensgeber ist der Geophysiker Ludger Mintrop (1880–1956), ein Pionier der angewandten Seismik. Er lehrte an der Bochumer Bergschule, aus der die heutige TH Georg Agricola hervorging. Der Wissenschaftler entwickelte Verfahren weiter, mit denen sich der Untergrund mithilfe seismischer Wellen erkunden lässt. Er wuchs übrigens um die Ecke auf dem elterlichen Gutshof auf: In Essen-Heidhausen.
Text: Kathrin Stenzel
Fotos: Prof. Dr. Benedikt Ahrens, THGA