Wenn man für das Studium in ein neues Land zieht, investiert man enorm viel – sowohl akademisch als auch persönlich. Oft weiß man lange nicht, ob alles klappen wird und dieser Einsatz überhaupt wahrgenommen wird. Umso größer war die Freude für Ernest Appiah, als die Nachricht über die Auszeichnung mit dem DAAD-Preis eintraf: „Es fühlt sich immer noch ein bisschen unwirklich an“, erzählt der Student des Masterstudiengangs Mineral Resources Process Engineering (MRPE) rückblickend. Die Ehrung durch die THGA und den DAAD bedeutet ihm sehr viel: „Sie zeigt mir, dass die Zeit, die ich in mein Studium und die Gemeinschaft investiert habe, einen realen Unterschied macht. Das gibt mir zusätzliche Motivation für den Endspurt meiner Abschlussarbeit und mein ehrenamtliches Engagement.“
Der Weg an die THGA begann für ihn mit einer gezielten Online-Suche nach Hochschulen in Deutschland, die Studiengänge in Geologie, Bergbau und Ingenieurwesen anbieten. Mit dem MRPE-Studiengang fand er die ideale Fortsetzung seines Bachelorstudiums in Geological Engineering an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Ghana.
Struktur und Ehrenamt: Der Austausch mit Menschen bleibt zentral
Dass der Start in Deutschland kein Selbstläufer war, weiß Appiah noch genau. Die ersten Wochen waren von Unsicherheiten geprägt: Die Orientierung vom Flughafen aus, fehlende Sprachkenntnisse und vor allem die Wohnungssuche gestalteten sich schwierig. Doch er fand Hilfe an unerwarteter Stelle. Ein ghanaischer Student, den er zuvor nie gesehen hatte, half ihm bei der Ankunft; ein anderer Kommilitone nahm ihn für mehrere Wochen auf, bis er eine eigene Bleibe fand. Heute sind aus diesen Fremden enge Freunde geworden. Diese Erfahrung ist auch der Antrieb für seinen eigenes Engagement. „Komplett Fremde haben mir damals geholfen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das habe ich nicht vergessen“.
Deswegen ist ihm sein Engagement in- und außerhalb des Studienganges wichtig. Drei Tage in der Woche arbeitet er rund sechs Stunden im Labor an seiner Thesis; das Ehrenamt bei der National Union of Ghanaian Student Associations e.V. (NUGSA) und in der Methodist Youth Fellowship verteilt sich auf Online-Meetings am Abend, Einsätze am Wochenende sowie Präsenzveranstaltungen. Für ihn ist diese Arbeit jedoch kein Energieräuber, sondern ein Ausgleich: Nach Stunden vor dem Datendschungel tut der Austausch mit Menschen gut. Das gilt auch für seine Kommiliton:innen. „Man lernt enorm viel voneinander, nicht nur von den Dozenten“, betont er. Weil die meisten von ihnen fernab der Heimat sind, wird gegenseitiger Zusammenhalt großgeschrieben.
Faseroptik und die Suche nach der Nadel im Heuhaufen
Mittlerweile schaut Appiah im Rahmen seiner Masterarbeit tief in die Erde hinein. In seiner Masterarbeit widmet er sich der Faseroptik-Messtechnik. Dabei nutzt er ein im Boden verlegtes Glasfaserkabel als extrem sensiblen Sensor. Durch den Einsatz von Laserlicht lassen sich metergenau winzige Veränderungen registrieren. „Die Faser hört und „fühlt“ quasi alles, von Verkehr und Temperatur bis hin zu möglichen Bodenbewegungen im Zusammenhang mit der Bergbaugeschichte der Region“, erklärt er. Die größte Faszination liegt für ihn darin, das Rauschen von den relevanten Signalen zu trennen: „Es ist, wie eine einzige ruhige Stimme in einem vollbesetzten Raum herauszuhören.“
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Masterstudiums ist sein langfristiger Traum die Verbindung von Forschung und Praxis. Ob der nächste Schritt direkt in eine Promotion oder in den Beruf führt, lässt er offen: „Welche Gelegenheit sich zuerst ergibt, wird mein nächster Schritt sein. Beide Wege werden mir helfen, meinem Ziel näherzukommen.“
Autor: Marek Szabowski
Foto: Aslan Ashrafi