Bonn/Bochum, 10. Juli 2026. Das letzte Stück deutscher Steinkohle steht künftig nicht mehr im Schloss Bellevue, sondern als Zeitzeugnis im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Für die feierliche Übergabe am gestrigen Donnerstag wurde der Blick jedoch bewusst nicht nur auf die Vergangenheit gerichtet. Gemeinsam mit Studierenden und Forschenden der Technischen Hochschule Georg Agricola (THGA) und ehemaligen Bergleuten kam Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier darüber ins Gespräch, welche Rolle Rohstoffe, Nachbergbau und Ingenieurwissenschaften künftig für Deutschland spielen.
Statt die Geschichte des Steinkohlenbergbaus ausschließlich rückblickend zu erzählen, wurden an drei Thementischen aktuelle Forschungs- und Zukunftsfragen vorgestellt, die an der THGA bearbeitet werden. Im Mittelpunkt standen dabei ausdrücklich die Studierenden und Doktorand:innen der Hochschule, die dem Bundespräsidenten ihre Arbeit persönlich erläuterten.
So informierten beispielsweise die Masterstudentin Jule Gleba und der internationale Doktorand Vinicius Inojosa über die Potenziale des Grubenwassers und die Chancen des Nachbergbaus. Dabei wurde deutlich, dass Forschung dazu beitragen kann, Lösungen für die nachhaltige Nutzung von Georessourcen, das Wassermanagement, das Umweltmonitoring und die Nachnutzung ehemaliger Bergbauflächen zu liefern.
Die THGA begleitet diesen Wandel seit vielen Jahren wissenschaftlich. Mit ihren Studiengängen und Forschungsaktivitäten bildet sie Ingenieurinnen und Ingenieure aus, die den verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen und die Transformation ehemaliger Bergbauregionen aktiv mitgestalten. Das Wissen, das über Generationen im deutschen Steinkohlenbergbau entstanden ist, entwickelt die Hochschule weiter und trägt es in internationale Forschungs- und Praxisprojekte.
„Das letzte Stück Steinkohle erinnert an das Ende einer für das Ruhrgebiet prägenden Industrie. Gleichzeitig zeigt dieser Tag, dass aus dieser Geschichte etwas Neues entstanden ist. Unsere Studierenden entwickeln Lösungen für äußerst aktuelle Fragen. Es macht mich stolz, dass der Bundespräsident genau diese junge Generation kennenlernen wollte. Sie steht stellvertretend für das Wissen und die Innovationskraft, die wir heute aus der Hochschule und unserem Forschungszentrum Nachbergbau heraus in die Welt tragen“, sagt THGA-Präsidentin Prof. Susanne Lengyel.
Prof. Dr. Tobias Rudolph ergänzt: „Mir war wichtig, dass dieser Termin nicht mit dem letzten Stück Kohle endet, sondern dort beginnt, wo unsere Zukunft liegt. Der Bergbau hat Deutschland geprägt, und der Nachbergbau gestaltet die Zukunft. Wenn wir verstehen, was unter unseren Füßen entstanden ist, können wir Rohstoffe künftig nachhaltiger gewinnen, Landschaften intelligenter nutzen und neue Technologien entwickeln.“ Als Studiengangsleiter des Masterstudiengangs Georesource Engineering geht es auf seine Initiative zurück, dass sich die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die Hochschule gestern präsentieren konnten. „Dass unsere Studierenden diese Geschichte dem Bundespräsidenten selbst erzählen konnten, war für mich der eigentliche Höhepunkt des Tages.“
Fotos: Jennifer Zumbusch
Zur Hochschule: Die Technische Hochschule Georg Agricola in Bochum, die einzige Ingenieurhochschule im Ruhrgebiet, verbindet eine lange Tradition in der Vermittlung ingenieurwissenschaftlichen Know-Hows mit einem klaren Fokus auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimawandel und Energiewende. Praxisnahe Forschungsprojekte und eine aktuelle Lehre treiben dabei Innovationen in Unternehmen voran. Mit Forschungsschwerpunkten in Georessourcen, erneuerbaren Energien und Nachhaltigkeit gestaltet sie aktiv den Übergang zu einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft.