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Römische 19. Legion in Kalkriese identifiziert

Neue metallanalytische Erkenntnisse liefern wichtige Hinweise zur Einordnung der Funde aus Kalkriese: Erstmals konnte ein metallurgischer „Fingerabdruck“ römischer Legionen nachgewiesen und auf das Fundmaterial angewendet werden.

Sie freuen sich über die neuen Forschungsergebnisse (v.l.): Prof. Dr. Marcus Zagermann, Universität Osnabrück, Dr. Uta Schröder, Universität Bonn, Prof. Dr. Michael Prange, Technische Hochschule Georg Agricola Bochum, Dr. Annika Lüttmann, Technische Hochschule Georg Agricola Bochum, und Dr. Stefan Burmeister, Geschäftsführer Varusschlacht im Osnabrücker Land. (Foto: Varusschlacht im Osnabrücker Land / Hermann Pentermann)

Es ist unstrittig, dass in Kalkriese eine römische Armee untergegangen ist. Ob es sich dabei um die Legionen der Varusschlacht handelte, konnte bislang archäologisch nicht eindeutig belegt werden. Die von Dr. Annika Lüttmann entwickelte und im Rahmen eines Pressegesprächs im Museum und Park Kalkriese vorgestellten Methode eröffnet hier neue Forschungsperspektiven.

Dr. Lüttmann lehrt und forscht an der Technischen Hochschule Georg Agricola (THGA) in Bochum. Ihre Erkenntnisse tragen zur laufenden wissenschaftlichen Diskussion um Kalkriese als möglichen Ort der Varusschlacht bei. 

Metallurgischer Fingerabdruck römischer Legionen

Untersucht wurden römische Buntmetalle aus Waffen- und Ausrüstungsteilen wie Fibeln, Gürtelschnallen oder Riemenhaltern. Da diese Metalle in Legionslagern regelmäßig repariert und wiederverwendet wurden, blieben charakteristische Spurenelemente in den Legierungen erhalten. So entwickelte jede Legion im Laufe der Zeit einen eigenen metallurgischen Fingerabdruck, der es unter günstigen Bedingungen ermöglicht, Truppen bestimmten nachgewiesenen Standorten zuzuordnen.

Vergleich mit römischen Legionsstandorten

Für ihre Arbeit untersuchte Lüttmann Buntmetallfunde aus sieben römischen Legionsstandorten und verglich diese systematisch mit sämtlichen römischen Buntmetallen aus Kalkriese. Die Analysen zeigen deutliche Übereinstimmungen zwischen den Funden aus Kalkriese und dem Legionslager Dangstetten, wo die 19. Legion in den Jahren vor der Varusschlacht stationiert war. 

Funde aus Standorten von Legionen, die nicht in der Varusschlacht untergegangen sind, unterscheiden sich hingegen signifikant von den Kalkrieser Funden. Auf dieser Grundlage lässt sich die 19. Legion in Kalkriese identifizieren.

Die 19. Legion in Kalkriese identifiziert

„Beim Abgleich der Funde aus Kalkriese mit denen aus den anderen Fundorten stellen wir fest, dass die Funde aus Dangstetten und Kalkriese signifikante Übereinstimmungen zeigen. Die Funde aus Legionsstandorten, deren Legionen nicht in der Varusschlacht untergegangen sind, grenzen sich hingegen deutlich ab. Wir können die 19. Legion in Kalkriese identifizieren“, fassen Dr. Annika Lüttmann, ihr Doktorvater Prof. Michael Prange und Dr. Stefan Burmeister, Geschäftsführer des Museumsparks Kalkriese, die Ergebnisse zusammen.

Aus Sicht von Prof. Michael Prange zeigt die Arbeit exemplarisch den Stellenwert naturwissenschaftlicher Methoden in der Archäologie: „Die Identifizierung einer römischen Legion anhand von Materialuntersuchungen war bis dato nicht möglich. Die Arbeit von Annika Lüttmann unterstreicht, dass archäologische Fragestellungen heute nur interdisziplinär und mit natur- und ingenieurwissenschaftlicher Expertise beantwortet werden können.“

Neue Perspektiven für die Varusforschung

Im Anschluss an die nun veröffentlichten Befunde besteht weiterer Forschungsbedarf: Die gewonnenen Daten sollen künftig vertieft ausgewertet und mit weiteren Fundkomplexen verglichen werden. 

Publikation:
Annika Lüttmann, Kalkriese als Ort der Varusschlacht – eine anhaltende Kontroverse I. Metallanalytische Untersuchungen der Buntmetallfundstücke (Bochum 2025) - Hinweis: Aufgrund einer Vereinbarung mit der Ruhr-Universität, Fakultät für Chemie und Biochemie, ist die Arbeit von Dr. Lüttmann derzeit noch nicht öffentlich zugänglich.

Die Arbeit entstand im Rahmen des von der VolkswagenStiftung geförderten Projekts „Kalkriese als Ort der Varusschlacht? – eine anhaltende Kontroverse“, einer Kooperation zwischen dem Museum und Park Kalkriese, dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum und der Ruhr-Universität Bochum

Projektpartner: Das Forschungsprojekt wurde als Kooperation folgender Institutionen durchgeführt: Museum und Park Kalkriese, Deutschen Bergbau-Museum Bochum (Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen), Universität Osnabrück, Ruhr-Universität Bochum, Technische Hochschule Georg Agricola Bochum, Ludwig-Maximilians-Universität München