Vom Flöz in die Zukunft: Professor Dr. Benedikt Ahrens hat sein Studium unter Tage finanziert und die Kohle „über alles geliebt“. Heute nutzt er dieses Wissen, um an der THGA die Energie- und Wärmewende weiter voranzubringen. „Bergbauexpertise ist der Schlüssel zur Energiewende“ Sie sind nun seit knapp einem Jahr an der THGA. Wie war Ihr Weg zur Geologie? Ich bin bewusst ins Ruhrgebiet an die Ruhr-Universität Bochum gekommen, weil mich die lange Bergbaugeschichte dieser Region faszinierte und ich das geowissenschaftliche Erbe hautnah erleben wollte. Mein Studium habe ich mir sprichwörtlich unter Tage erarbeitet, 20 Stunden pro Woche auf den Bergwerken Zeche Prosper-Haniel in Bottrop und Zeche Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort. Dort führte ich unter anderem Konvergenzmessungen direkt an den Bereichen durch, in denen die Kohle frisch abgebaut wurde. Ich liebe die Kohle und ihre Tradition bis heute, doch schon 2010 war mir als Student klar: Der Ausstieg kommt. Ich habe die Dringlichkeit der Energiewende, der Weiterentwicklung erneuerbarer Energiesysteme und auch des Klima- und des Umweltschutzes am eigenen Körper erlebt. Seitdem ist es mir ein Anliegen, geologische und gesellschaftliche Herausforderungen aktiv zu gestalten. Als Geowissenschaftler:innen tragen wir Verantwortung für das Erbe der Kohle und die Energiezukunft. Diese Erfahrungen motivieren mich, die Expertise aus dem Bergbau gezielt in die Entwicklung erneuerbarer Energiesysteme zu überführen, und bilden bis heute den Antrieb meiner Forschung und Lehre. Das klingt nach einer Brücke zwischen Tradition und Hightech. Wo setzen Sie mit Ihrer Forschung an der THGA an? Ich bringe Themen ein, die für die THGA neu sind, zugleich aber hervorragend zum Leitbild der DMT-LB passen. Im Kern konzentriert sich meine Arbeit auf die nachhaltige Nutzung des geologischen Untergrunds. Nehmen wir die leeren Erdöl- und Erdgasfelder in Deutschland: Das sind riesige Potenziale, die wir heute als Speicher für Wasserstoff als Energieträger oder zur CO2-Einlagerung nutzen können. Auch Grubenwasser und Geothermie stellen entscheidende Hebel für die Wärmewende dar. Und wir sitzen hier im Ruhrgebiet an der Quelle des Know-hows. Da geht mir als Geologe das Herz auf! Mein Ziel ist es, dieses Wissen systematisch für eine nachhaltige Zukunft nutzbar zu machen. Wie nehmen die Studierenden diesen Wandel an? Genau das schätze ich am Ruhrgebiet und an unserem Campus: Wir sind ausgesprochen divers. Einige S PROF. DR. BENEDIKT AHRENS Professor für Geologie INTERVIEW 10
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