Springe zu: Erste Meta Navigation | Zweite Meta Navigation | Suche | Sprachschalter | TFH Navigator | Haupt Navigation | Unter Navigation | Inhalt | Fußmenü |

TH Georg Agricola informiert Berliner Politik über Nachbergbau und nachhaltige Rohstoffgewinnung

10.03.2017

Christian Melchers, Jürgen Kretschmann, Bärbel Bergerhoff-Wodopia und Manfred Freitag (v.l.n.r.) stellten die Aktivitäten der THGA in Sachen nachhaltige Rohstoffgewinnung vor


Interessierte Gesprächspartner: Bernd Westphal (re.) und seine Abgeordnetenkollegen aus dem Deutschen Bundestag


Ulrich Freese, Simone Raatz, Jürgen Kretschmann, Joachim Poß, Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Axel Schäfer, Manfred Freitag, Christian Melchers (v.l.)

Weltweit werden jährlich 35 Milliarden Tonnen Rohstoffe gewonnen. Deutschland produziert einen Großteil seiner benötigten Rohstoffe im eigenen Land. Im Jahr 2015 betrug deren Gesamtwert 13,4 Milliarden Euro. Für die Akzeptanz des Bergbaus in der Bevölkerung spielt der verantwortungsvolle Umgang mit den Bergbaufolgen eine entscheidende Rolle – das wissen auch politische Entscheidungsträger. Bei einem parlamentarischen Frühstück informierte die Technische Hochschule Georg Agricola (THGA) am 8. März interessierte Bundestagsabgeordnete über Forschung und Lehre zur nachhaltigen Rohstoffgewinnung. Im Mittelpunkt standen dabei die Aktivitäten des weltweit einzigartigen Forschungszentrums Nachbergbau (FZN) an der THGA.

Bernd Westphal, Sprecher der Ausschussarbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der SPD-Bundestagsfraktion, hatte das parlamentarische Frühstück gemeinsam mit Manfred Freitag, Geschäftsführer der THGA-Trägergesellschaft DMT-LB angeregt: „Die Technische Hochschule Georg Agricola hat den Strukturwandel im Ruhrgebiet begleitet und ihr Angebot in Aus- und Weiterbildung an den Bedarf der Region angepasst“, so Westphal. Darüber hinaus hat sie einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffgewinnung geleistet und auch zu der zugehörigen Nachsorge.“

THGA-Präsident Jürgen Kretschmann verdeutlichte den Abgeordneten daran, dass Deutschland über 70 % seines Rohstoffverbrauchs durch eigene Gewinnung deckt. Weltweit betrachtet werden immer mehr Rohstoffe produziert und verbraucht. Sie spielen auch für High-Tech-Anwendungen eine große Rolle, etwa zur Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien. „Umso wichtiger ist die Forschung für die nachhaltige Rohstoffgewinnung in Deutschland – aber auch für Deutschland, weil viele Rohstoffe, die wir benötigen, in anderen Ländern produziert werden“, sagte Kretschmann. „Rohstoffgewinnung hat Folgen. Diese Folgen zu bewältigen und Risiken zu minimieren ist heute Grundbedingung, damit Bergbau weiterhin akzeptiert wird. Ohne Nachhaltigkeit kein Bergbau.“ Als deutschlandweit einzige Fachhochschule mit einem rohstoffwissenschaftlichen Schwerpunkt habe die THGA das Thema Nachbergbau auf ihre wissenschaftliche Agenda gesetzt.

Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung, erläuterte die Forschungsförderung der RAG-Stiftung an der THGA: „Wir haben sehr früh in der Amtszeit des neuen Vorstands entschieden, dass zur Erforschung des Umgangs mit den Bergbaufolgen ein Zentrum für den Nachbergbau notwendig ist. Deshalb haben wir eine Stiftungsprofessur für Nachbergbau an der THGA finanziert, die mit Professor Christian Melchers hervorragend besetzt wurde.“ Das Forschungszentrum Nachbergbau habe sich hervorragend entwickelt und insbesondere bei der Erforschung der Wasserhaltung wichtige Beiträge geleistet. „Die Wasserhaltung ist überall da, wo die Steinkohlenförderung endet, ein hochsensibles Thema. Unabhängige, wissenschaftliche Projekte zu dieser Thematik tragen hier zur notwendigen Versachlichung bei“, so Bergerhoff-Wodopia.

Der Stiftungsprofessor und wissenschaftliche Leiter des Forschungszentrums Nachbergbau, Prof. Dr. Christian Melchers, stellte den Bundestagsabgeordneten die Bedeutung seines Fachgebiets und die Arbeit des FZN vor: „Deutschland ist ein Land mit einer langen Bergbautradition.“ Alleine in Sachsen ist auf rund 75% der besiedelten Fläche in der Vergangenheit Bergbau betrieben worden, in Nordrhein-Westfalen liegen in mehr als 50% aller Kommunen aktive oder ehemalige Bergbaustandorte. Das stelle die Gesellschaft vor große, dauerhafte Herausforderungen, die vielfach von der öffentlichen Hand getragen würden – so etwa im ehemaligen ostdeutschen Uranbergbau durch die Wismut GmbH, im Braunkohlenbergbau durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). „In der Steinkohle an Ruhr, Saar und in Ibbenbüren haben wir die Besonderheit, dass der Bergbaubetreiber für die Spuren des Bergbaus selbst aufkommt. Das ist weltweit einmalig.“ Zentral bei der Bewältigung der Bergbaufolgen seien dabei die Fragen der über- und untertägigen Wasserhaltung, bekräftigte Melchers. „Hier ist die spannende Frage: Wie hoch sollte das Grubenwasser ansteigen, damit ein möglichst nachhaltiger Prozess initiiert wird? Weder ökologisch noch ökonomisch ist es sinnvoll, Bergbauregionen auf Dauer große Mengen Wasser aus großen Tiefen zu entnehmen. Ein kontrollierter Grubenwasseranstieg stellt insofern die nachhaltigste Lösung dar.“ Wichtig sei es, in der Gesellschaft und bei Entscheidungsträgern ein Bewusstsein für diese Fragestellungen und deren wissenschaftlich fundierte Bearbeitung zu schaffen.

Ulrich Freese, Abgeordneter für den Wahlkreis Cottbus/Spree-Neiße regte in der anschließenden Diskussion an, die Nachbergbau-Aktivitäten in Deutschland stärker zu verzahnen, etwa durch eine Kooperation zwischen der Wismut AG, der LMBV und der RAG-Stiftung. Dazu Christian Melchers: „Das FZN arbeitet bereits heute mit der Wismut und der LMBV zusammen. Dies künftig zu intensivieren, ist ein guter Vorschlag.“ Simone Raatz, stellvertretende Vorsitzende der Landesgruppe Ost der SPD-Fraktion und habilitierte Chemikerin, betonte, dass es notwendig sei, weltweit einheitliche Standards für nachhaltige Rohstoffgewinnung durchzusetzen. Dafür müssten entsprechende Studiengänge in Deutschland auch für internationale Studierende attraktiv sein: „Ich könnte mir vorstellen, dass Sie an der THGA Pioniere sein könnten, um dieses Wissen in die Welt zu tragen.“ 

Weitere Beiträge der angeregten Diskussion behandelten die Themen Recycling und Urban Mining, die Zusammenarbeit der THGA mit dem Leibniz-Forschungsmuseum Deutsches Bergbau-Museum Bochum sowie den ökonomischen, ökologischen und sozialen Strukturwandel im Ruhrgebiet und in anderen Bergbauregionen.

Redaktion: Stephan Düppe

Kontakt

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: presse(at) thga.de
Tel.: (0234) 968 3334