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Dieses Geld stinkt nicht! THGA-Geotechniker will Gas aus alten Mülldeponien energetisch nutzen

17.11.2017

Im Verbund der UniverCity Bochum arbeiten sie an einer besseren, unbelasteten Zukunft (v.l.n.r.): THGA-Geotechniker Prof. Dr. Frank Otto und Master-Studentin Katrin Maslowsky kontrollieren mit einem neuen Verfahren die Ausgasungen auf Altdeponien.

Es ist eine ziemlich beindruckende Zahl, die Professor Dr. Frank Otto unter seine Kalkulation setzt: 250.000 Euro. „Diese Einnahmen könnte etwa jede zweite Altablagerung in Deutschland jährlich erwirtschaften – über einen Zeitraum von schätzungsweise 10 bis 25 Jahren“, sagt der erfahrene Geotechniker. Und zwar allein mit Strom aus Deponiegas, dessen Potenzial noch bisher ungenutzt unter unzähligen Brachlandschaften der Republik schlummert. Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2017) machen es jetzt möglich, dieses Potenzial zu Tage zu fördern. Passend dazu entwickelte Prof. Otto gemeinsam mit Diplomchemiker Jürgen Kanitz an der Technischen Hochschule Georg Agricola (THGA) ein Verfahren, mit dem Altdeponien nicht nur nachhaltig saniert, sondern auch energetisch genutzt werden könnten. Pünktlich zur Weltklimakonferenz liefern die Bochumer Forscher damit eine innovative Idee, die Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz vereint.

Wie das funktioniert? Auch nach Jahrzehnten gärt es in vielen ehemaligen Hausmülldeponien. Oft sind sie nur unzureichend gegen den unerwünschten Austritt von Methangas oder kontaminiertem Sickerwasser gesichert. Das austretende Methan ist rund 25 Mal schädlicher für das Klima als CO2. „Allein in Deutschland gibt es rund 106.000 Altablagerungen. Bei einem Großteil kann man davon ausgehen, dass sie noch immer biologisch aktiv sind“, erklärt Prof. Otto.   

Mit gezielten Bohrungen saugen die THGA-Wissenschaftler methanhaltiges Deponiegas ab, damit frischer Sauerstoff einströmen kann. „Das organische Material wird dadurch kontrolliert zersetzt – zum Teil durch Sauerstoff-liebende Bakterien, teils durch Bakterien, die ohne Sauerstoff auskommen“, so Otto. „Erstere produzieren CO2 und Wärme, letztere in der warmen Umgebung das Methan.“ So lange bis alles verwertet ist, könnte dieses Deponiegas bei größeren Altablagerungen und Altdeponien Kleinkraftwerke antreiben.

Ein oftmals langwieriger Prozess, weiß der Geotechnik-Ingenieur: „Bis zu 25 Jahre dauert es, bis kein reaktionsfähiges, organisches Material mehr vorhanden ist – in jedem dieser maximal 25 Jahre könnten bis zu 250.000 Euro Einnahmen durch den Verkauf von Strom erzielt werden, den man in das Netz einspeist“, rechnet der Professor vor. „Die Wärmeleistung, die erzeugt wird, ist hier nicht einmal inbegriffen und käme noch on-top.“ Auch trotz der bis zu 1,5 Millionen Euro, die im Vorfeld pro Deponie investiert werden müssten, käme so über die Jahre ein ordentliches Sümmchen zusammen.

Diese lukrativen Zahlen müssten die Kommunen eigentlich aufhorchen lassen, rumort doch unter vielen Gemeinde ein Müllproblem. Bisher durften die Kommunen die Ausgasungen aus alten Deponien allerdings nur zur Gefahrenabwehr fördern – nicht, um daraus einen finanziellen Nutzen zu ziehen. Ein Umstand, der sich mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2017 teilweise geändert hat. Ab sofort könnten die Städte, gegebenenfalls über ihre Töchter, ihren miefenden Müll zu Geld machen. Daher arbeiten die THGA-Experten im Verbund UniverCity Bochum auch eng mit dem Umweltamt der Stadt Bochum zusammen.

Doch die wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte des neuen Verfahrens sind noch um einiges nachhaltiger – und haben eine deutlich längere Halbwertszeit: Ist nämlich nach einigen Jahrzehnten die Gasproduktion vollständig zum Erliegen gekommen, kann die Deponie geöffnet werden und endlich das ‚Urban Mining‘ beginnen: „Beim so genannten städtischen Bergbau werden alte Müllhalden noch mal zu ergiebigen Rohstoffminen, aus denen sich wertvolle Ressourcen wie Eisen oder Kupfer und Energierohstoffe gewinnen lassen.“

Durch diese abschließende Komplettsanierung ergeben sich gleichzeitig völlig neue Nutzungsmöglichkeiten auf den ehemals belasteten Gebieten, erklärt Otto. „Wo heute abgestorbene Bäume ins Auge fallen, könnten wieder begrünte und bebaute Flächen entstehen.“ Eine Win-win-Situation – für den Gemeinde-Geldbeutel und ein gutes Stadtklima.

Redaktion: Carmen Tomlik

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